So wirken Rauschdrogen

Eine neurowissenschaftliche Betrachtung

Grundsätzlich wirken Rauschdrogen auf das zentrale Nervensystem (ZNS) ein, wobei sie die chemischen Übertragungsvorgänge an den Synapsen beeinträchtigen. Viele dieser Drogen beeinflussen direkt die neuronalen Modulationssysteme, insbesondere die noradrenergen, dopaminergen und serotonergen Systeme. Rauschdrogen lassen sich durch einen Eingriff in die natürliche Übertragung zwischen den Nervenzellen erklären. Häufig besetzen die Substanzen Rezeptoren, die eigentlich für natürliche Botenstoffe vorgesehen sind, und ahmen dabei die Transmitterwirkung nach (Agonisten, z. B. Morphin an Rezeptoren für endogene Opiate) oder verhindern diese (Antagonisten, etwa Phencyclidin = PCP an Rezeptoren für den Transmitter Glutamat). Beispielsweise blockieren die zur Behandlung der produktiven Schizophrenie-Symptome eingesetzten Neuroleptika (wie z. B. Haloperidol) Stellen am nachgeschalteten Neuron, sodass die Übertragung abgeschwächt wird. Benzodiazepine (wie Diazepam), die häufig bei Angstpatienten verordnet werden, machen im Gegenteil einen bestimmten Rezeptor für den hemmenden Transmitter GABA empfindlicher. Die trizyklischen Antidepressiva (wie z. B. Amitriptylin) erhöhen die Konzentration der Botenstoffe im synaptischen Spalt und führen langfristig zu Veränderungen der Rezeptoren. Diese kurzen Beispiele illustrieren, dass das grobe Verständnis der synaptischen Signalübertragung im Gehirn und die Möglichkeiten ihrer Beeinflussung unerlässlich sind, um die Wirkungen von Rauschdrogen zu verstehen.

3 Bild Das Bedürfnis nach Rausch

Die Wirkungen der wichtigsten Rauschdrogen

Cannabis: Haschisch und Marihuana wirken leicht beruhigend, wahrnehmungsverändernd, schwach euphorisierend, die Stimmung hebend und den inneren Antrieb vermindernd.

Opiate: Opium, Morphin und Heroin wirken stark dämpfend und hochgradig euphorisierend. Die Stimmung wird gehoben, der innere Antrieb deutlich gemindert.

Kokain: wirkt stimulierend, euphorisierend, die Stimmung wird deutlich gehoben und die soziale Kontaktfreudigkeit wird gesteigert.

Alkohol: wirkt allgemein enthemmend sowie euphorisierend und die Stimmung wird gehoben. Tabak wirkt anregend, entspannend und beruhigend. Synthetisch hergestellte Drogen mit unterschiedlichen chemischen Grundstoffen.

Amphetamine: Speed wirkt stark stimulierend, wachmachend, anfänglich leistungssteigernd.

Designerdrogen: MDMA und Ecstasy wirken stimulierend, wahrnehmungsverändernd, euphorisierend.

Halluzinogene: LSD, Psilocybin und Co. wirken wahrnehmungsverändernd und euphorisierend.

5 Bild - SO WIRKEN RAUSCHDROGEN

Effekte und Folgen des Rauschdrogenkonsums Rauschdrogen wirken auf das vegetative Nervensystem und beeinflussen Kreislaufaktivität, Verdauung oder Pupillenweite. Häufig sind körperliche Nebenwirkungen für Todesfälle verantwortlich. Heroinabhängige sterben nicht selten an einer Lähmung des Atemzentrums und Kokainkonsumenten an Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfällen. Die regelmäßige Einnahme kann verheerende psychische und körperliche Veränderungen nach sich ziehen, die sich nicht allein als fehlender Drogeneffekt erklären lassen, sondern auch veränderte Verhaltensweisen darstellen, die bisher nicht vorhanden waren und auf drogeninduzierten neurochemischen Veränderungen basieren (Opioidentzugssyndrom, Delirium tremens). Eine weitere Folge dieser neuronalen Umbauprozesse und Reaktionen der konstanten Drogeneinwirkung auf das menschliche Gehirn ist das Abhängigkeitssyndrom (Sucht), das durch Toleranz und Entzugssymptomatik sowie weitere Merkmale charakterisiert ist. Beispielsweise seien hier angeführt: der Zwang, die Substanz zu konsumieren, mangelnde Kontrollfähigkeit bezüglich der Umstände und der Menge der Einnahme, Vernachlässigung anderer Interessen und Bedürfnisse zugunsten des Konsums sowie fortgesetztes Konsumieren trotz körperlicher und psychischer Schäden. Dank aufschlussreicher Tierexperimente ist heute viel über die beteiligten Hirnstrukturen und den dabei wirksamen Neurotransmitter Dopamin bekannt, das in der populärwissenschaftlichen Literatur gerne als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Als Mechanismus dieser meist euphorisierenden, rauschdrogeninduzierten Wirkung wird eine verstärkte Freisetzung dopaminerger Neuronen angenommen, die von einer Struktur des Mittelhirns, des ventralen tegmentalen Areals in das Endhirn ziehen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die neuronalen Bahnen, die am Nucleus accumbens enden, einem kleinen Kern an der Großhirnbasis. Der Nucleus accumbens scheint, zusammen mit weiteren umgebenden Strukturen, auch das Substrat des bis jetzt nur ungenau definierten und verstandenen „Suchtgedächtnisses“ zu bilden.

Cookie Einstellungen
Diese Website verwendet Cookies, um die bestmögliche Funktionalität zu gewährleisten. Mehr lesen

Akzeptiere alle Cookies Speichern